Liebe Apterianer,
meine Herbstgeschichte zum Aptera,
sozusagen eine Überbrückungslektüre längerer Ausgabe, über das wieso und weshalb des langen Wartens auf euren Aptera.
Neben dem Grund der Finanzierung ausschließlich aus dem Crowdfunding.
Ganz klar,
am liebsten würden wir jetzt nur noch den Aptera Konfigurator auf den letzten Stand unserer Wünsche bringen wollen, ggf. noch mit dem Kontostand abgleichen und Schwupps die neue Europa Vertretung von Aptera liefert innerhalb weniger Wochen mit EU-Zulassung deinen Aptera.
Ein deutschsprachiger Traum, leider noch.
Mit dem Okt. 23 ist jeder von uns schon recht lange dabei. Manche noch viel länger und ggf. längst Leid nur Wasserstandsmeldungen über den Fortschritt, bzw. dem subjektiven Nicht-Fortschritt, der Aptera-Aktivitäten empfangen zu dürfen.
Für die, die nicht jede Strömung verfolgen oder es auch schon Leid sind, hier einige Schlussfolgerungen und mögliche Antworten im Deutschen zusammengefasst.
Wem die Gründe egal sind, kann unten in den Aptera Ausblick schauen und das Abkürzen.
Ich verfolge wie die meisten von euch die englischen Berichte, und konsequent die gute Arbeit vom Aptera Owners Club (AOC) und weit darüber hinaus einiges mehr. Warum dauert alles so lange, fragen sich nicht nur diejenigen, die erst seit wenigen Monaten dabei sind und keine wirklichen News von Aptera-Motor mehr ausmachen können. Viele, die länger dabei sind, fragen sich schon lange nicht mehr und da erkennt man in den englisch-sprachigen Foren und in YT zunehmenden Ärger bis Sarkasmus in den Kommentaren. Und das im bewussten coming-out als Investor und/oder Reservation Holder, als wenn der geäußerte Unmut etwas beschleunigen würde! Zudem teils diebisch von der Pickup fahrenden ICE-Front ausgeschlachtet, als wenn jeder Aptera-Besteller seinen Anteil an den Fake-News über einen unbewiesenen Klimawandel hätte. Ich denke sie sehen im Aptera den wahren Totengräber des ICE und so erklärt sich meines Erachtens auch die rüden Kommentare in Foren, an der Grenze von dem was gerade soeben nicht gelöscht wurde.
Zuletzt hatte Steve vom AOC einige sehr interessante Aspekte in Videos offengelegt die über die normale Aptera Berichterstattung hinausgingen und ggf. des Pudels Kern offenbaren. Hier geht es um Firmenpolitik, Marketingchancen und eben um innovative Produkte rund um die notwendige Ökologie und ich möchte das Gesagte von ein halben duzend AOC-Videos mit insg. über 3 Std. Länge mit einer Quintessenz im Deutschen zusammenfassen, die ich selbst immer beobachten konnte, aber wo mir nur die beschreibenden Schlagworte und Aufhänger fehlten. Auch weil ich eben als Ingenieur bestenfalls Hobby-Wirtschaftshistoriker, aber eben nicht gerade Wirtschaftsjournalist bin. Zudem in der Transformation der Weltwirtschaft mit der neuen Industrie 4.0 es jetzt wohl kaum viele neue Beispiele in der Neuzeit geben wird, die groß genug wären hierzu aufzufallen. Die wahre Innovation findet ja derzeit zumindest in Europa weniger in der Industrie als im Mittelstand statt.
In den AOC-Videos ging um die Aspekte des ökologischen Fußabdrucks, dass „Aptera Recht zur Reparatur“ und im aktuellen Video um eine sehr anschauliche Darstellung wie sich zukunftsorientierte Unternehmen in der neuen modernen Realität wieder(er)finden müssen, wen sie sich dem althergebrachten typischen Verdrängungswettbewerb entziehen wollen.
Die wesentliche Erkenntnis hierbei ist meines Erachtens ganz klar, das man alles im einem gemeinsamen Zusammenhang sehen muss. Sie bedingen sich gegenseitig, und für Aptera in der Zukunft im Besonderen gültig. Meine feste Überzeugung!
Im Grunde der Theorie bedeutet die Zukunft weitestgehend Marktbereinigung, Aufgabe alter Strategien/Denkweisen und Erschließung neuer Märkte und Produktlinien mit starker Begleitung von Marketing/Livestyle-Strategien, idealerweise verwoben mit Internet-Funktionen für den allgegenwärtigen Produktauftritt.
Letzteres hoffentlich ohne groß zu nerven!
Wie passt das jetzt zu Aptera und warum dauert es so lange? Aptera ist doch innovativ, will den neuen Markt und zur Marktbereinigung beitragen!
Kurze Antwort?
Ja schon, aber Aptera ist mit Marktstart noch viel zu klein und die Strategie und das Firmenkonstrukt lassen es nicht so einfach zu, aus eigenem Saft heraus einen bestehenden Markt aufzurollen. Möglich später ja, aber eben sicher nicht schnell, und schon gar nicht kurz nach Marktstart. Das Potential sehen wir alle, aber mehr ist es noch nicht.
Wem die lange Antwort egal ist, kann unten im Aptera Ausblick abkürzen!
Lange Antwort:
Steve vom AOC hatte zuletzt sehr anschaulich die ERRC-Chart (von einem Prof. aus einer Uni in Frankreich) als Beispiel mit den Marvel’s Comics erklärt. Marvel als damaliger Comic-Vertreiber-Verlag, aber im Grunde nur ein Nischen-Buchverlag, wäre fast vom Markt verschwunden und musste zum überleben sehr innovativ nach vorne schauen. Wir wissen das Hollywood der Ausweg war. Diese Abkürzungen ERRC lesen sich wie eine Blaupause zur möglichen Aptera-Strategie, zumindest was wir darüber bisher erfahren durften, die eigentliche naheliegendste Erklärung bisher, warum wir solange warten müssen.
E = Eliminate
Im Bestand einen möglichen Wasserkopf im Unternehmen abzubauen, den Aptera als Start-up nie hatte, und immer sehr hinterher war sein Personal so knapp wie nur möglich zu halten um Gelder nicht in seiner Firmen-Entstehungsphase schon mehr als nötig abfließen zu lassen. Das erklärt den spärlichen Informationsfluss, viele Spezialisten in der Entwicklungsphase wurden nicht gehalten und vieles wurde ja auch out-gesourced, sodass darüber im Detail ggf. auch nicht mehr fundiert berichtet werden kann. Es bleibt bei Aussagen weniger Offizieller und worüber in YouTube dann vortrefflich spekuliert werden konnte und durfte. Ist aber kein Beinbruch, ich komme zum Schluss darauf zurück.
R = Raise
Marktweckung: In Grunde macht unser kapitalistisches Weltwirtschaftssystem seit den siebziger Jahren nichts anderes als es damals an seine Grenzen stieß. Der Goldstandard wurde aufgehoben, störte die Expansion, moderne spekulative Finanzierungsformen begannen langsam zu keimen, um Ende der 90er entfesselt zu werden, und wo China überall noch nicht richtig mit bei der Partie war. Die Weltwirtschaft wird zukünftig durch neue Schwergewichte und viel weniger von Europa geprägt sein. Der Unterschied ist hier mit „RAISE“ aber nicht der Verdrängungswettbewerb, sondern die Spezialisierung! Etwas wo wir in Deutschland lange glaubten als Wirtschaftsstandort dafür die besten Voraussetzungen zu haben. Haben wir auch noch, müssten nur mal richtig etwas dafür tun, ist aber ein gesondertes Thema.
So wie Steve Jobs mit Apple es vorgab, etwas Neues nie dagewesenes fertig zu entwickeln was alle dann auch wirklich haben wollen, was sie zuvor nicht glaubten, dass sie es überhaupt benötigen werden.
„RAISE“ ist idealerweise eine orchestrierte Strategie eines Marketings für eine Produktlinie und diese so eng miteinander zu verweben, dass sich viele eingefangene Enthusiasten über Nacht in eine Schlange stellen, um frühmorgens um 7:00 Uhr sich das neuste IPhone aus dem neuen Apple-Store zu holen.
Man erkennt Aptera ist noch sehr davon weit entfernt, nicht ganz treffend, aber man stelle sich den MUSS-ICH-HABEN-Faktor vor, wenn er überall verfügbar wäre, jeder Interessent ihn zuvor ausgiebig in massig angebotenen PR-Aktionen Probefahren könnte (wie in USA jetzt mit dem einzigen Gamma) und ich denke das Konzept hätte das Zeug zu einer neuen Erfolgs-Parallele mit anderen Facetten und ohne dafür physisch in einer Schlange stehen zu müssen. Die spröden Zahlen sprechen ja schon allein dafür.
R = Reduce
Wie zuvor Eliminate, Aptera hat als Start-up keine Zwischenstrukturen abzubauen und hat auch nicht vor diese aufkommen zu lassen. Beides Faktoren die zu der Annahme reichen, Aptera hat perfekte Voraussetzungen genau die „Blue Ocean Strategie“ (unten mehr!) zu fahren, woraus sich vieles Weitere ableitet. Womit wir allerdings allen einen Zahn ziehen müssen, die erwarten das Aptera diese Kostenvorteile nutzen wird besonders günstige Fahrzeuge zu bauen und den Kostenvorteil 1:1 an die Kunden weiterzureichen, weil sonst das Unternehmen diesen notwendigen Vorteil im Wettbewerb verliert um nach Marktstart auch resilient zu bleiben. Also keine Massenproduktion von super günstigen Einsteigerfahrzeugen. Das widerspricht dem Blue Ocean Konstrukt, was nicht heißt das die Community daraus später einen Kompromiss mit Aptera-Motors aushandeln kann. Unten mehr dazu.
C = Create
Oben Anklang es an, neue lukrative Nischen besetzen und sich daraus dann flexibel zu entwickeln oder sich immer wieder neu zu erfinden. Mit kreativer Produktentwicklung, mit besonders innovativer Kundenpflege, bzw. Bindung. Dazu gehören insbesondere, die von Aptera beworbenen ökologisch-innovativen Besonderheiten, zudem stark marketinggetrieben, für eine höhere Akzeptanz der Kundschaft zu sorgen auch etwas mehr Geld ausgeben zu wollen. Wenn denn schon alles so genial, zukunftsorientiert und nachhaltig ist. Für die Umwelt nachhaltig und für den Kunden durch extrem lange Nutzung des Produktes ebenso ökonomisch das bessere Produkt. Werterhaltung, und mit dem „Right to Repair“ kam genau diese Botschaft ja rein, die suggeriert das das Second Live des neuen SEV weit in die Zukunft fallen sollte, wenn man schon alles updaten und reparieren wird können. Zudem könnte man der Community das Angebot machen, sehr aktiv mitzumachen und zu gestalten. Wenn ich oben mal vom Aufrollen des Marktes gesprochen habe, hier wäre der Schlüssel für eine Community-Marken-Identität und damit verbunden einer verlässlichen Basis im Absatz für Aptera-Motors. Fast wie Tesla jetzt, nur eben kein Wegwerfartikel nach 15-20 Jahrenmehr, kein obsoleter schwerer Technik-Haufen, den später keiner mehr upgraden will bzw. es sich nicht lohnt. Und eben getrieben im Anspruch den Second, Live des Fahrzeugs, über die Community-Mitarbeit und Ideen zur Nachhaltigkeit und über Eigen-Organisation zum Right to Repair, ganz, ganz weit hinauszuzögern.
Der Aptera Ausblick (schließt das C = Create oben, als hochwahrscheinliche und gewollte Entwicklung mit ein):
Ab hier schließt sich der Kreis, Aptera hat mit seiner Aufstellung im Funding aus der Community heraus die Verantwortung sein Geld zusammenzuhalten, die Produktion langsam und kostenbewusst voranzutreiben, um nicht schon vor Marktstart wie andere Start-ups sich schon verausgabt zu haben.
Mit Produktionsstart und funktionierenden ersten Vertriebskanälen werden erste Revenues eingefahren, um dann im Proof-Of-Konzept der Firma vorsichtig Fahrt aufzunehmen und dann erst zu wachsen. Im Grunde schon immer so beabsichtigt gewesen, wenn auch etwas zu optimistisch ins Blaue und in den Absichtserklärungen hochskaliert für meinen Geschmack, aber Investoren brauchen ja auch Futter und Bilder im Kopf.
Kurzum, das lässt sich leider nicht mehr groß beschleunigen und benötigt seine Zeit, so schwerer es für uns alle auch auszuhalten sein wird.
Mit dem Right-to-Repair leitet sich für die Community auch eine überlassende Chance der wesentlichen Einflussnahme in der Evolution der Marke ab. Wenn herkömmliche teure Groß-Hersteller-Strukturen vermieden werden, so ist mehr Geld für die Weiterentwicklung der Marke und der Fahrzeuge übrig. Also kein Kleinkram, nichts zulassungsrelevantes und das soll die Zubehör-Industrie leisten und das ist gut so.
Die Community steuert über eigene Wünsche, ggf. auch über unser zukünftiges Forum, auf die Aptera-Motors wird hören müssen, weil sich damit automatisch ein gesicherter Absatz ergibt. Die Community-getriebene Evolution wird das Fahrzeug wertstabil halten, irgendwann begehrenswert überall und dann in einen Massenmarkt übergehen können. Diese Evolution wird durchs Internetmarketing verstärkt, und stellt dann den wesentlichen Teil der Blue Ocean Strategie dar. Der Schlüssel liegt meines Erachtens im Anspruch keine Wegwerfartikel zu produzieren, für die Umwelt und um die CO2 Bilanz durch Langnutzung zu optimieren. Verbunden mit Enthusiasmus einer ökologisch nachhaltigen Käuferschaft, die auf bestes Kosten-Nutzenverhältnis bauen kann, auch wenn der Einstieg lange Zeit eben nicht das 15000 EUR Einsteigerfahrzeug mit 800km Reichweite wird sein können. Aber irgendetwas dazwischen mit jetziger Ankündigung 26000$ für 400km(250mls), denn die Batterien werden immer günstiger und performanter werden. Stetige Upgrades erhalten und erhöhen diese Bindung zwischen Hersteller-Endkunde-Community. WIN-WIN-WIN.
Mein typischer Na+ Langzeitwunsch:
Zum nachhaltigen Anspruch, des oben aufgezeigten Aptera-Gesamtkonstrukts, ist es eben früher als später angezeigt, in meiner lang hochgehaltenen Bitte um die zukünftig nachhaltigste Na+ Batterie-Chemie hier irgendwann nachzulegen. Auch der AOC erkennt und erklärt schonend diese kommende Dimension der "green assets".
Schon jetzt sind die Berichte voll über den Zubau von Batteriewerken auf Basis nicht nachhaltiger Chemien und massiver Markt-Überkapazität bis spätestens 2030 (über 7 TWh), die sich aufgrund der Nicht-Verfügbarkeit der seltenen und teuren Inhaltsstoffe selbst abwürgt und wo es jetzt schon angezeigt ist auf die nachhaltigen Alternativen in den Inhaltsstoffen zu setzen. Neuste Analysen sehen mit CATL, BYD, deren Töchtern und die wenigen anderen westlichen Werke die 1 TWh Gesamt-Produktion für Na+ Batterien zum Jahr 2030 voraus (übrigens LFPs sollen 2025 auch 1TWh erreichen), und die günstigeren Chemien werden sonst massiv die neuen westlichen Werke abstürzen lassen, wenn sie nicht zeitnah umschwenken.
Werden sie, nur die Frage wie rechtzeitig um nicht den Chinesen das Feld zu überlassen. Europa müsste mit Na+, Al+ und diverse min. allein 1TWh bis 2028 erreichen um autark zu werden und kostenmäßig im weiteren konkurrenzfähig zu bleiben. Noch planen sie wie in den USA hauptsächlich mit LI+ Technologien.
Erfreulich die Androhung der EU mit den Importzöllen auf chinesische Batterien, um die mittlerweile auch riesigen Produktions-Ausschusshalden von E-Autos etwas entgegen zuhalten. Dann aber mit dringlicher Bitte, neben Zöllen, Strafabgaben auch zu einem bald wirklichkeitsnahen CO2-Emissionshandel (Zertifikate) zu kommen, der die aufgewendeten Emissionen in der Batterieproduktion voll einbezieht. Dann erst entsteht nachhaltiger Wettbewerb in den nötigen Zukunfts-Technologien. Wie das eine AOC Video zum Nickel-Bergbau es aufzeigte und die HIU dafür Tabellen offenhält, sind z.B. alle im Bergbau geförderten Grundstoffe mit ihrem CO2-Emissionsanteil in die Quoten für den Emissionshandel mit aufzunehmen. Auch um Produktions-Ausschuss in China mit einzubeziehen und den Batteriewerken ihre zukünftigen Nachhaltigkeitskriterien vor Augen zu führen. Womit die Na+ und Al+ und einige mehr, sowie neue Produktionstechnologien bessere Chancen in den westlichen Werken hätten.
Das im Westen immer nur auf die max. Kapazitätsdichte geschielt wird und man glaubt nur diese Chemie am Markt absetzen zu können und dafür angeblich bis zu 1,5 Billionen Euro in westlichen Batteriewerken mit die verkehrte Chemie investiert wird, macht mich anhand der doch eindeutigen Experten-Analysen schon etwas sprachlos.
Wenn ihr mich fragt wie die wirklich bessere zukunftsfähige (europäische) Batterie-Produktion aussehen sollte, kann ich nur dieses sagenhafte (leider nur) englische Munro-Video zum 3D Druck Solid-State bei Sakuu empfehlen.
Geht auch mit Na+ & Al+ und in dieser Technik ist Deutschland z.Z. noch führend, aber wie lange noch, wenn man es hier so plastisch vorgestellt bekommt?
Oder ist es doch nur das liebe Geld, was meinst ihr?
Dann überlegt doch nochmal, ggf. doch die LE zu nehmen, wenn ihr es euch leisten könnt und das Kontingent dann endlich bald vergeben ist und es weitergeht.
Soweit mein Ausblick heute!
Gruß André